Bürgerinitiative · Hintergrund

Die Geschichte der Deponie Berkum

Von der Hochofen-Halde der 1930er Jahre über die begonnene und wieder abgebrochene Versiegelung bis zu den heutigen Plänen für einen 35-Meter-Berg – was bisher geschah.

Was bisher geschah

  1. 1930–1984 · Ablagerung giftiger Abfälle aus dem Hochofenwerk Ilsede (später in Peiner Träger aufgegangen).
  2. 1984–1995 · Mehrere 100.000 m³ Feinschlamm aus dem Peiner Stahlwerk werden aufgebracht – Befüllung der Polder 1, 2, 3.1 und 3.2.
  3. Ab 1995 · Deponiebetrieb eingestellt – das Areal liegt seitdem ungesichert unter Bewuchs.
  4. 06.10.2009 · Das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig erteilt die Plangenehmigung für die „Herstellung der Oberflächenabdichtung der Polder 2 und 3.1". Aktenlage →
  5. Ende 2010 · Peiner Träger beginnt aus Sicherheitsgründen, das Gelände zu versiegeln.
  6. 2011 · HEILIT Umwelttechnik beginnt mit der Oberflächenabdichtung der Polder 2, 3.1, 3.2.
  7. 19.07.2012 · Die Peiner Träger GmbH verkauft das Gelände per Vorvertrag an die neu gegründete Deponie Berkum GmbH (Gesellschafter: HEILIT Umwelttechnik und Umweltdienste Kedenburg) – final erst mit der Genehmigung, bis dahin bleibt Peiner Träger Eigentümer. Geplant ist eine Boden- und Bauschuttdeponie. Seitdem werden die begonnenen Abdichtungsarbeiten nicht weitergeführt. (Braunschweiger Zeitung, 19.07.2012)
  8. 02.06.2015 · Das Gewerbeaufsichtsamt ordnet an: „Fortführung der Stilllegungsmaßnahmen und Fertigstellung Oberflächenabdichtung für die Deponie Berkum". Ausgeführt wurde sie bis heute nicht. Aktenlage →
  9. Seit 2019 · Jährliches Grundwassermonitoring durch Dr. Röhrs & Herrmann.
  10. 02.05.2023 · Das Gewerbeaufsichtsamt stimmt dem Betreiberwechsel zu – HK-Rohstoff & Umwelttechnik übernimmt die Betreiberschaft.
  11. 13.05.2026 · STRABAG und Bettels-Gruppe stellen über HK-Rohstoff die Reaktivierungspläne öffentlich vor (Forum Peine, 120 Teilnehmer). Was dort gesagt wurde →
  12. Juli 2026 · Der Betreiber veröffentlicht seine Webseite deponie-berkum.de und hängt ein Banner an der Deponie auf – ohne den geplanten 35-Meter-Berg zu erwähnen. Zum Faktencheck →
  13. 22.07.2026 · Ortstermin an der Deponie: Betreiber (jetzt Geschäftsführerin Martina Haacke) und Gegner treffen aufeinander, die Differenzen bleiben. Unser Protokoll →

„Einfach bitte die Abdeckung der alten Schlacken zu Ende führen, so wie es mal geplant war, und das Gelände in Ruhe lassen."
— Carsten Hoffmann, Berkum

Grundwasser: Behauptung und Befund

Im Untergrund lagern Alt-Abfälle aus dem Hochofenwerk Ilsede (1930–1984) und Hunderttausende Kubikmeter Feinschlamm aus dem Peiner Stahlwerk (1984–1995). Der Betreiber behauptet (Vortrag im Forum Peine am 13.05.2026, dokumentiert in PAZ 17.05.), Schadstoffe wie Arsen, Blei, Cyanid, PAK und BTEX-Aromate liefen bereits Richtung Peine-West und -Süd ins Grundwasser – und rechtfertigt damit sein Vorhaben. Doch seine eigenen Messwerte seit 2019 hält er unter Verschluss. Wir haben das Grundwasser in Berkum selbst testen lassen: Das Ergebnis war unbedenklich. Beim Ortstermin am 22. Juli 2026 räumte der Betreiber schließlich selbst ein: An 26 Messstellen zeigen sich zwar Arsen und Schwermetalle, doch es bestehe „kein akuter Handlungsbedarf" (Braunschweiger Zeitung, 22.07.2026). Wenn aber kein akuter Handlungsbedarf besteht – warum dann jahrelang die Altlasten aufbaggern, statt das Gelände einfach von oben abzudecken?

Was der Betreiber plant: Die Altlasten sollen komplett abgetragen, der Untergrund abgedichtet, die Gifte anschließend zurückgelegt – und darauf 35 Meter neuer Bauschutt aufgeschüttet werden. Genau dieses Ausbaggern und Bewegen der seit Jahrzehnten ruhenden Stoffe ist das eigentliche Risiko: Statt die Belastung zu mindern, würde es sie erst recht freisetzen. Wir fordern stattdessen die endgültige, sichere Oberflächenabdichtung des bestehenden Geländes – damit kein Regenwasser mehr einsickert. Ohne Aufgraben, ohne Asbestberg.

Jetzt Petition unterschreiben →  Zum Faktencheck der Betreiber-Webseite →

Öffnet openPetition.de – es gelten die dortigen Datenschutzbestimmungen.

Die Aktenlage: seit 2015 angeordnet

Wir haben beim Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig Akteneinsicht nach dem Umweltinformationsgesetz beantragt. Die Behördenakte listet 46 Bescheide von 1980 bis 2025 – und sie belegt schwarz auf weiß, was seit Jahren aussteht.

Die entscheidende Zeile: Am 2. Juni 2015 hat das Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig die „Fortführung der Stilllegungsmaßnahmen und Fertigstellung Oberflächenabdichtung für die Deponie Berkum" angeordnet. Nicht empfohlen, nicht genehmigt – angeordnet.

Ausgeführt wurde sie bis heute nicht. Das sind über elf Jahre, in denen die Schlacke offen liegt und Regenwasser ungehindert einsickert. Sichern von oben – das ist längst beschlossene Sache.

Die Schlüssel-Bescheide im Überblick

Beschlussakte ansehen (PDF) →

Quelle: Beschlussakte Deponie Berkum, Az. 501.62812 GS 66, Stand 22.06.2026 – erhalten auf Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG). Das Dokument listet Datum, Behörde und Art aller 46 Bescheide seit 1980.