Rahmen
Das Gelände wird seit den 1930er-Jahren als Deponie genutzt und war von der Natur teilweise zurückerobert worden: 14 Hektar, davon 11 Hektar Deponiefläche. Beim Ortstermin trafen Betreiber, Bürgerinitiative, Naturschutz, Ortsvorsteher und Presse aufeinander.
Anwesend waren u. a.:
- Betreiber (HK-Rohstoff & Umwelttechnik): Martina Haacke (Geschäftsführerin), Dirk Brozio (Ex-Geschäftsführer)
- Bürgerinitiative „Keine Deponie in Berkum": Henning Kolshorn, Jürgen Müller
- Peiner Biologische Arbeitsgemeinschaft: Klaus Behn
- Ortsvorsteher: Bernhard Michels
Die Themen und Standpunkte
1. Grundwasser und geplante Sanierung
Betreiber: Die Deponie hat aktuell keine Grundwasserabdichtung. 26 Messstellen zeigen Schadstoffe wie Arsen und Schwermetalle – es bestehe jedoch „kein akuter Handlungsbedarf". Das Grundwasser in Berkum könne bedenkenlos genutzt werden, da es in die entgegengesetzte Richtung fließe. Geplant ist, die Altlasten in zwei bis fünf Metern Tiefe auszubaggern, eine neue Basisabdichtung (Ton, Kunststoffdichtungsbahn, Kies) einzubauen und die alten sowie neue Abfälle – darunter Asbest – wieder einzulagern. Sickerwasser soll in Tanks gefangen und entsorgt werden. Dauer: mindestens 20 Jahre Deponiebetrieb, danach 30 Jahre Nachsorge.
Bürgerinitiative: Henning Kolshorn hält die plötzliche Notwendigkeit einer Grundwasserabdichtung nach 90 Jahren für nicht nachvollziehbar – die Schadstoffe hätten sich längst „verwässert". Er fordert, es bei einer reinen Abdichtung nach oben (gegen Regenwasser) zu belassen, statt die Altlasten aufzubaggern.
2. Aufschüttung, Staub und Asbest
Bürgerinitiative: Kolshorn kritisiert die geplante Halde von bis zu 35 Metern Höhe – höher als das Peiner Rathaus – und befürchtet massive Belastungen durch Staub und Asbest für den Ort.
Betreiber: Brozio begründet die Erweiterung in die Höhe mit dem vom Landesumweltministerium festgestellten Mangel an mittelfristigem Deponieraum; die Nutzung bereits vorbelasteter Flächen sei sinnvoll. Asbest werde in Behältern angeliefert und eingelagert, sodass er nicht in die Luft gelange.
3. Rodung des Waldes und Naturschutz
Betreiber: Für Abdichtung und Befüllung muss der vier Hektar große Laubwald auf dem Gelände gerodet werden. Martina Haacke verweist auf die Umweltverträglichkeitsprüfung, die Ausgleichsmaßnahmen aufzeigen werde – am liebsten nahe der Deponie, wofür man Grundstücke der Anwohner kaufen müsse. Brozio bestätigt geschützte Tierarten (z. B. Heuschrecken) auf dem Gelände.
Naturschutz & Anwohner: Klaus Behn fordert vehement den Erhalt des Waldes – solche sich selbst überlassenen Biotope seien eine Seltenheit und nicht durch Ausgleichsflächen ersetzbar. Er zweifelt an der Glaubwürdigkeit des Unternehmens, da anfangs nicht mit offenen Karten gespielt worden sei. Kolshorn lehnt den Verkauf von Flächen für Ausgleichsmaßnahmen strikt ab: „Mein Hof ist unser Lebenswerk."
4. Verkehr und Steuern
Ortsvorsteher Bernhard Michels verlangt, dass der Deponieverkehr ausschließlich über die Bundesstraße 65 und nicht durch den Ort geführt wird – dafür sei eine Abbiegespur zwingend nötig. Außerdem sollen Gewerbe- und Umsatzsteuern der Deponie an die Stadt Peine abgeführt werden.
Anmerkung der Bürgerinitiative: Diese Forderung wirft Fragen auf. Die Umsatzsteuer steht Bund und Ländern zu – nicht der Stadt; Kommunen erhalten nur einen pauschalen Anteil nach festem Verteilungsschlüssel, nicht die Umsatzsteuer eines einzelnen Betriebs. Und die Gewerbesteuer fällt nur auf den Gewinn an: Der Betreiber hat nach eigener Aussage bereits Millionen Euro in das Vorhaben gesteckt (Braunschweiger Zeitung, 22.07.2026) – Gewinne, auf die Gewerbesteuer anfiele, liegen damit auf lange Sicht in weiter Ferne. Ob und wie viel je in Peine ankommt, ist offen.
5. Weiteres Vorgehen und Klagedrohung
Betreiber: Laut Martina Haacke ist der Beginn des Planfeststellungsverfahrens noch unklar – man warte auf alle Unterlagen und Gutachten. Erst nach der Genehmigung übernimmt das Unternehmen das Gelände von der Salzgitter AG.
Naturschutz: Klaus Behn kündigte an, als Anwohner rechtliche Schritte in Erwägung zu ziehen, sollten die derzeitigen Pläne aufrechterhalten bleiben.
Fazit des Termins. Die Differenzen konnten nicht ausgeräumt werden. Der frühere Geschäftsführer Dirk Brozio fasste es so zusammen: „Wir haben unterschiedliche Meinungen."
Für uns bleibt der Kern: Wenn der Betreiber selbst „keinen akuten Handlungsbedarf" sieht, gibt es keinen Grund, 90 Jahre ruhende Altlasten aufzubaggern und darauf einen 35-Meter-Berg zu errichten. Sichern von oben – ja. Aufbaggern und aufstocken – nein.
Dieses Protokoll ist unsere eigene Zusammenfassung des Ortstermins auf Grundlage der Berichterstattung von Harald Meyer (Braunschweiger Zeitung / Peiner Nachrichten) vom 22.07.2026.
→ Zum Bericht der Braunschweiger Zeitung