Bürgerinitiative · Faktencheck

Was der Betreiber schreibt – und was wir fragen

Der künftige Deponiebetreiber wirbt auf seiner neuen Webseite deponie-berkum.de mit „offen, transparent, sicher“. Wir haben die Aussagen geprüft – Zitat für Zitat.

Kurz vor unserem Vorort-Termin mit den örtlichen Pressevertretern im Juli 2026 ging die Webseite des Betreibers online – und an der Deponie hängt seither ein großes Banner: „Ein Altstandort wird auf den neuesten Stand gebracht – offen, transparent, sicher.“ Wir nehmen den Betreiber beim Wort und haben seine Webseite Aussage für Aussage geprüft. Quellen: deponie-berkum.de (Stand Juli 2026), Informationsveranstaltung im Forum Peine am 13.05.2026, Berichterstattung der Peiner Allgemeinen Zeitung (Mai 2026).

1 · Banner an der Deponie Verschwiegen
Der Betreiber schreibt

„Deponie Berkum. Ein Altstandort wird auf den neuesten Stand gebracht – offen, transparent, sicher.“ Weiter unten: „Schadstoffaustrag in den Untergrund und das Grundwasser“ – und zugleich: für Anwohner bestehe „keine Gefahr“.

35 m
kein Wort davon

Unsere Frage: Auf dem ganzen Banner fehlt das Entscheidende: kein Wort vom geplanten 35-Meter-Berg, kein Wort von 900.000 m³ neuem Abfall, kein Wort von Asbest. Es liest sich wie eine reine Sanierung. Und der behauptete „Schadstoffaustrag ins Grundwasser“ ist genau das Szenario, mit dem das Aufbaggern gerechtfertigt werden soll – unsere eigene Grundwasser-Untersuchung in Berkum ergab dagegen unbedenkliche Werte. Was schützt wirklich? Die Abdichtung von oben, damit kein Regenwasser mehr einsickert. Dafür braucht es keinen Asbestberg.

2 · FAQ, Frage 22 Bestätigt uns
Der Betreiber schreibt

„Wenn die Behörde das Vorhaben nicht genehmigt, wird es nicht realisiert. Dann werden die Stilllegungsmaßnahmen zur Oberflächenabdichtung auf der Grundlage vorhandener, ggf. seitens der Behörde noch anzupassender Genehmigungen fortgeführt.“

Unsere Frage: Warum dann überhaupt eine neue Deponie? Die sichere Abdeckung kommt also so oder so – ganz ohne 35-Meter-Berg, ohne Asbest, ohne LKW-Verkehr. Warum nicht einfach: sichern statt erweitern?

3 · FAQ, Frage 2 Offene Frage
Der Betreiber schreibt

„Auf der Deponie Berkum lagern Schlämme und Reststoffe aus der Eisen- und Stahlproduktion der Ilseder Hütte und der Peiner Träger GmbH.“

Unsere Frage: Die Peiner Träger GmbH – eine Tochter im Salzgitter-Konzern – hat die Abfälle dort abgelagert. Warum saniert nicht sie? Mit der Abdichtung war 2010 sogar schon begonnen worden – 2012 wurde sie gestoppt. Warum?

4 · Seite „Die HK-RUG“ Verschwiegen
Der Betreiber schreibt

„Die Gesellschaft wurde 2012 unter dem Namen ‚Deponie Berkum GmbH & Co. KG‘ mit dem Ziel gegründet, die Deponiekapazitäten des Geländes der Deponie Berkum zu nutzen und somit flächenschonend Deponiebedarf zu decken.“

Unsere Frage: Was die Webseite verschweigt: Der Verkauf des Geländes an die HK-RUG gilt nur, wenn die neue Deponie genehmigt wird – das bestätigte der Rechtsvertreter der Peiner Träger beim Forum am 13. Mai 2026. Im Klartext: Wird nicht genehmigt, bleibt die Peiner Träger GmbH in der Verantwortung und muss die begonnene Abdichtung zu Ende bringen. Die „Reaktivierung“ ist damit vor allem eins: der Ausweg der Peiner Träger aus der eigenen Sanierungspflicht. Beim Ortstermin am 22. Juli 2026 wurde es öffentlich bestätigt: Das Gelände gehört bis zur Genehmigung der Salzgitter AG und geht erst danach an den Betreiber über (Braunschweiger Zeitung, 22.07.2026). Warum steht davon kein Wort auf der Webseite?

5 · Seite „Deponie-Infos“ Verschwiegen
Der Betreiber schreibt

„Gesamtmenge: ca. 1,6 Millionen Kubikmeter (davon ca. 900.000 m³ neu angelieferte Abfälle)“

700.000
m³ Altschlamm

Unsere Frage: Die Rechnung dahinter: Rund 700.000 Kubikmeter alte Industrieschlämme – seit Jahrzehnten ruhend im Boden – sollen aufgebaggert und umgelagert werden. Was wird dabei an Staub und Schadstoffen frei, direkt neben Berkum? Eine reine Abdeckung würde die Altlast in Ruhe lassen.

6 · Seite „Deponie-Infos“ Unvollständig
Der Betreiber schreibt

„Eingelagert werden ausschließlich mineralische Abfälle – vor allem Bau- und Abbruchmaterialien wie Boden, Beton, Schlämme, Ziegel und Glas.“

Unsere Frage: Klingt harmlos – nach Baustelle. Warum fehlt auf dieser Seite das Wort Asbest? Erst wer bis ins FAQ klickt, erfährt: Auch asbesthaltige Materialien sollen eingelagert werden, dazu Schlacken und Aschen. Warum steht das Unangenehme nicht dort, wo die Zahlen stehen?

7 · Visualisierung (Born/Ermel) Nur der Endzustand
Der Betreiber zeigt

eine Visualisierung der fertigen Deponie – ein flacher, grüner, bewachsener Hügel aus der Vogelperspektive.

20+
Jahre Baustelle

Unsere Frage: Warum nur dieses Bild? Es zeigt den Zustand nach 20 und mehr Jahren – aus einer Drohnenhöhe, aus der 35 Meter wie eine Wiese wirken. Was wir jahrzehntelang tatsächlich sehen werden, zeigt kein einziges Bild: offene Schüttflächen, Bagger, Verdichter, LKW, Staub – einen wachsenden grauen Berg, höher als das Peiner Rathaus. Warum gibt es keine realistische Darstellung der aktiven Deponie aus Sicht der Anwohner – vom Langen Damm, von Berkum, von der B65?

8 · FAQ, Frage 17 Widerspruch
Der Betreiber schreibt

„Das Monitoring im Auftrag der HK-RUG läuft seit 2019 und wird von einem unabhängigen Fachbüro durchgeführt.“

26
Messstellen

Unsere Frage: Wo sind die Messwerte? Der Betreiber begründet das ganze Projekt mit Schadstoffen im Grundwasser – veröffentlicht aber seit sieben Jahren keine einzige Zahl. Wir haben das Grundwasser in Berkum selbst testen lassen: Das Ergebnis war unbedenklich. Warum sollen wir dem Gefahren-Szenario glauben, solange die Daten unter Verschluss bleiben? Und wenn wirklich Gefahr im Verzug wäre: Warum wurde die 2010 begonnene Abdichtung gestoppt – und warum soll jetzt jahrelang aufgebaggert statt schnell abgedeckt werden?

9 · FAQ, Frage 8 Unvollständig
Der Betreiber schreibt

„Im Betrieb werden durchschnittlich ca. 20 LKW-Ladungen pro Tag erwartet.“

40
Fahrten/Tag

Unsere Frage: Durchschnittlich – und an Spitzentagen? 20 Ladungen heißen 40 Fahrten (voll hin, leer zurück), laut dem damaligen Geschäftsführer Brozio schwankt es zwischen 5 und 30 Ladungen. Wie viele LKW rollen also wirklich, wenn es voll wird – über 16 bis 20 Jahre, rund 100.000 Anlieferungen?

10 · FAQ, Fragen 10 und 12 (Asbest) Offene Frage
Der Betreiber schreibt

„Verpackungen werden auf dem Gelände nicht geöffnet. Das Material wird nach dem Einbau sofort abgedeckt.“

330 m
zum Wohnhaus

Unsere Frage: Und wenn ein Big Bag beim Abkippen reißt? Beim Überfahren mit dem Verdichter? Das passiert auf Deponien regelmäßig. Wird die Asbest-Belastung der Luft an den Wohnhäusern gemessen – 330 Meter entfernt? Dazu steht: nichts.

11 · FAQ, Frage 5 Bundeszahl
Der Betreiber schreibt

„Im Jahr 2022 fielen fast 208 Mio t. mineralische Bauabfälle an.“

208
Mio t bundesweit

Unsere Frage: Das ist die Zahl für ganz Deutschland (Quelle der Angabe: Umweltbundesamt). Warum muss der Abfall ausgerechnet 330 Meter vor unsere Haustür? Und wer profitiert? Gesellschafter der Betreiberfirma sind ein Baukonzern (STRABAG) und ein Entsorgungsunternehmen – die den „dringenden Bedarf“ selbst erzeugen. In Norddeutschland gibt es bereits 24 DK-II-Deponien →

12 · FAQ, Frage 15 Widerspruch
Der Betreiber schreibt

„Mögliche Auswirkungen auf Immobilienwerte werden sachlich im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens geprüft.“

0 €
Ausgleich

Unsere Frage: Beim Forum am 13. Mai klang das noch anders – zum Ausgleichsfonds hieß es klar: „Nein. Das ist nicht vorgesehen.“ (Brozio, PAZ 17.05.2026). Was gilt denn nun? Gibt es eine Entschädigung, wenn unsere Häuser an Wert verlieren – ja oder nein?

13 · FAQ, Frage 7 Unvollständig
Der Betreiber schreibt

„Die geplante Betriebsdauer beträgt voraussichtlich 16 bis 20 Jahre.“

50+
Jahre gesamt

Unsere Frage: Plus 2–5 Jahre Genehmigung, plus Stilllegung, plus mindestens 30 Jahre Nachsorge – ein Projekt für zwei Generationen. Wer haftet in 50 Jahren, eine kleine GmbH & Co. KG mit beschränkter Haftung? Heute ist die Peiner Träger GmbH verantwortlich – eine Tochter im Salzgitter-Konzern. Nach dem Verkauf nicht mehr. Warum sollten wir die Altlast einer Konzerntochter gegen das Versprechen einer kleinen GmbH tauschen?

Diese Fragen beantwortet die Webseite gar nicht

Trotz FAQ mit 23 Fragen bleibt die Betreiber-Seite die Antwort schuldig auf:

Unterm Strich

Es gibt bereits einen Verantwortlichen für diese Altlast: die Peiner Träger GmbH, eine Tochter der Salzgitter AG. Sie hat mit der Abdeckung 2010 sogar schon begonnen – und sie 2012 gestoppt. Stattdessen soll das Gelände an eine kleine GmbH & Co. KG verkauft werden, aber nur, wenn die neue Deponie genehmigt wird. Für die Peiner Träger ist das der Ausstieg aus der Sanierungspflicht. Für die HK-RUG ein Geschäft, bei dem die Anliefergebühren die Sanierung bezahlen – und darüber hinaus Millionen einbringen. Für uns bleiben: über 20 Jahre LKW, Asbest, Staub – und ein 35-Meter-Berg für immer.

Wird nicht genehmigt, muss saniert werden – von dem, der es verursacht hat. Sichern statt erweitern.

Jetzt Petition unterschreiben →

Quellen: Webseite des Betreibers deponie-berkum.de (Startseite, Deponie-Infos, FAQ, Technisches Sicherheitskonzept, Die HK-RUG; abgerufen im Juli 2026) und Banner an der Deponie (Juli 2026) · Informationsveranstaltung der HK-Rohstoff & STRABAG Umwelttechnik im Forum Peine am 13.05.2026, darunter die Aussage des Rechtsvertreters der Peiner Träger GmbH zur Verkaufsbedingung · Berichterstattung der Peiner Allgemeinen Zeitung, Mai 2026. Sollte sich der Inhalt der Betreiber-Webseite ändern, prüfen und aktualisieren wir diesen Faktencheck. Hinweise gerne an deponieberkum@gmail.com.