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24 DK-II-Deponien in Norddeutschland

Der Betreiber argumentiert, der Bedarf für eine weitere DK-II-Deponie sei „da". Die Realität: Das Netz ist bereits dicht – besonders rund um Peine.

Die fünf nächsten zu Peine: Watenbüttel (15 km), Diebesstieg/Salzgitter (23 km), Heinde/Bad Salzdetfurth (29 km), Bornum/Wolfenbüttel (30 km) und Büddenstedt/NORGAM (54 km). Wozu ausgerechnet 330 Meter vor unseren Häusern die 25.?

geplant: Berkum  ·  bestehende Anlagen, die DK-II-Material aufnehmen  ·  100-km-Radius um Berkum

Marker-Positionen teils approximiert anhand der Verwaltungsadresse des Betreibers (statt der eigentlichen Anlage). Stand: Mai 2026. Korrekturen gerne an deponieberkum@gmail.com.

Was darf in eine Klasse-II-Deponie?

Deponieklasse II nimmt belastete, aber nicht hoch gefährliche Stoffe auf. Laut Betreiber (PAZ 17.05.2026, Frage 3) sollen rund 80 % der eingelagerten Menge Boden, Steine, Beton, Fliesen, Ziegel und Keramik mit gefährlichen Stoffen sein. Hinzu kommen ausdrücklich auch Asbestplatten, ölhaltige Bohrschlämme, Abfälle aus Erdölraffinerie und Erdgasgewinnung, Rost- und Kesselaschen sowie Schlacken – Materialien, die niemand in seiner Nähe haben möchte:

Aufschüttung einer Bauschuttdeponie: ein gelber Kipper-LKW kippt Bauschutt ab, eine Staubwolke steigt auf, ein Radlader schiebt Material zurecht, ein Arbeiter in Warnkleidung steht am Rand. Eingeblendet ist ein Warnschild: „Gefahrstoffbereich – Kontakt mit belastetem Bauschutt vermeiden. Gesundheitsschädlich beim Einatmen von Fasern.
KI-generiertes Symbolbild

Wie eine reale Großdeponie in der Landschaft aussieht – und was aus einem anfangs als Bauschutt-Standort dargestellten Gelände werden kann – zeigt der Fall Ihlenberg bei Schönberg: 1979 offiziell als Deponie für Bauschutt, Schlacke und Asche begonnen, heute mit rund 13 Mio. m³ einer der größten Sondermüllberge Europas. → NDR-Bericht mit Bildern: „Als der Ihlenberg 1979 zur Mülldeponie wurde"

Asbestplatten

Asbestzement aus alten Dächern und Fassaden. Faserstaub gilt als krebserregend (Lungenkrebs, Mesotheliom). Der damalige Geschäftsführer Brozio hat in der Info-Veranstaltung am 13.05.2026 mehrfach mündlich bestätigt: „Staubende gefährliche Stoffe wie Asbest würden in speziellen Planen verpackt auf Lkw angeliefert und so verpackt auch eingelagert." (PAZ 17.05.2026, Frage 10) Wir fragen: Wie soll das bei 20 LKW pro Tag über 20 Jahre tatsächlich sicher funktionieren – bei Westwind in Richtung Peine?

Bauschutt

Mauerwerk, Beton, Mörtel – verunreinigt mit Schadstoffen aus alten Gebäuden, oft mit Rückständen alter Anstriche und Dämmstoffe.

Teerhaltige Aufbrüche

Alter Straßenbelag mit Teer (PAK, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe). Auswaschungen können ins Grundwasser gelangen.

Gipshaltige Abfälle

Gipsplatten, Putzreste, Sanitärabbruch. Sulfate können bei Niederschlag in den Untergrund gelangen.

Belastete Böden

Aushub von kontaminierten Standorten – etwa von Tankstellen, alten Industrieflächen oder Straßenrändern.

Schlacken und Aschen

Reststoffe aus Müllverbrennungs­anlagen und der Industrie – häufig mit Schwermetallen belastet.

In Deutschland gibt es fünf Deponieklassen (0 bis IV). Klasse II ist die zweithöchste Stufe für nicht-gefährliche Abfälle – die Stoffe sind belastet genug, dass sie eine Basisabdichtung gegen das Grundwasser brauchen.

Wer betreibt eigentlich die Deponie in Berkum?

Hinter der Betreiberfirma HK Rohstoff & Umwelttechnik GmbH & Co. KG stehen zwei Konzerne als Gesellschafter:

STRABAG SE

Internationaler Bau- und Industriekonzern mit Hauptsitz in Wien und Köln. Über die Tochter STRABAG Umwelttechnik GmbH (Düsseldorf) baut und betreibt der Konzern Deponien in ganz Deutschland und Europa. Standorte u. a. in Düsseldorf, Darmstadt, Bremen, Potsdam, Chemnitz, Dresden.

Quellen: strabag-umwelttechnik.com

Bettels-Gruppe (Hildesheim)

Familienunternehmen mit Sitz in Hildesheim, geführt von Knut Bettels. Zur Gruppe gehören u. a. Umweltdienste Kedenburg (Hildesheim, mit Standort in Bockenem-Schlewecke), SAV Südniedersächsische Aufbereitung und Verwertung, DIBA Entsorgung (Hohenhameln, ca. 10 km westlich von Peine) und Bettels Rohstoffe.

Eigenangabe: Die Gruppe betreibt mehrere Deponien der Klassen DK 0 und DK I im Raum Hannover / Hildesheim / Braunschweig – aber bislang keine eigene DK II.

Quellen: bettels.info, umweltdienste-kedenburg.de

Was bedeutet das? Berkum wäre für die Bettels-Gruppe der Einstieg in die Deponieklasse II – also in die zweithöchste deutsche Deponieklasse, in der Asbest, teerhaltiger Bauschutt, kontaminierte Böden und Rost-/Kesselaschen eingelagert werden dürfen. Diese Klasse erzielt deutlich höhere Marktpreise als DK 0/I. Der „Bedarf", den der Betreiber öffentlich begründet, ist aus Konzern-Sicht nachvollziehbar – aus regionaler Sicht angesichts 4 bestehender DK-II-Anlagen im 30-km-Radius und 10 im 100-km-Radius weniger.

Liste aller Standorte

# Land Bezeichnung Adresse Betreiber

Hinweis zu Standort Nr. 23 (Ihlenberg): Diese Anlage ist formal als Deponie der Klasse III genehmigt, nimmt aber regelmäßig auch DK-II-Material an. Sie zählt damit in der Praxis zum Aufnahmemarkt für DK-II-Abfälle in Norddeutschland und ist deshalb hier mit aufgeführt. – Die Liste basiert auf öffentlich zugänglichen Informationen der jeweiligen Betreiber und Landesbehörden; sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Korrekturen und Ergänzungen gerne an deponieberkum@gmail.com.